Adminbereich

II. Jugendkreistag Anhalt-Zerbst
am 07.12.2005 im Francisceum


II. Jugendkreistag in Anhalt-Zerbst
Zur zweiten Auflage des Jugendkreistages Anhalt-Zerbst hatten sich 26 Schüler von Gymnasien und Sekundarschulen in Zerbst, Roßlau und Loburg zusammengefunden. Sie berieten wie der richtige Kreistag in der Aula des Zerbster Francisceums.

Schüler fordern in der Bildung mehr Chancengleichheit


26 Schüler aus Anhalt-Zerbst traten gestern zum II. Jugendkreistag des Kreises zusammen.
Der "echte" Kreistag hatte nach dem Vorjahreserfolg eine jährliche Fortsetzung beschlossen. Wie vor einem Jahr wurde die Veranstaltung vom Verein Juventus organisiert.

Logo des Vereins Juventus e. V.
Logo des Vereins Juventus e. V.

Bundesweit einheitliche Standards für Gymnasial- und Realschulabschlüsse hat der zweite Jugendkreistag Anhalt-Zerbst gestern gefordert. Damit sollte die Chancengleichheit der Schulabgänger in ganz Deutschland erhöht werden.

II. Jugendkreistag in Anhalt-Zerbst
"Schulabschluss - was - nun?" - die 1. Arbeitsgruppe des II. Jugendkreistages (v.l.n.r.): Gabriela Kusmin, Friedrich Lüder, Uta Stromowski, Tobias Böttcher, Saskia Pützschler und Lydia Buchholz diskutierten mit KmB-Geschäftsführer Klaus Krawinkel (4.v.r.), Berufsberaterin Heiderose Semmer (2.v.l.) und Margitta Schildt, Kreistagsabgeordnete der Linkspartei.PDS (3.v.r.), über Lebens- und berufliche Perspektiven, Chancen und Risiken.

Nach intensiver Arbeit in vier Arbeitsgruppen und kontroverser Debatte im 26-köpfigen Gremium forderten die Schüler von Gymnasien und Sekundarschulen in Zerbst, Roßlau und Loburg stärkere politische Bildung im Unterricht, mehr Mittel für die Jugendarbeit und geschulte Sozialarbeiter für Jugendclubs oder die Bezuschussung von Fahrtkosten zu Bildungseinrichtungen bis zum Abitur oder bis zum Abschluss der Berufsausbildung.
Die Schüler sprachen sich für den Erhalt möglichst vieler Schulstandorte sowie für einen Großkreis Anhalt mit Kreisstadt Dessau aus.

II. Jugendkreistag in Anhalt-Zerbst
Josien von Kampen (Mitte) leitete den Jugendkreistag gestern in der Aula des Francisceums. Unterstützt wurde sie von Josefine Dümmer und Olaf Uschmann.

II. Jugendkreistag in Anhalt-Zerbst
Fotos (4) Andreas Mangiras

"Politiker haben es bestimmt noch schwerer, weil wir hier einfach sagen konnten, was wir denken." Josien van Kampen war sichtlich erleichtert, als sie gestern kurz nach 15.30 Uhr die Sitzung des II. Jugendkreistages Anhalt-Zerbst beenden konnte.
Sekundiert von Olaf Uschmann und Josefine Dümmer hatte die Francisceerin die öffentliche Debatte geleitet und Anträge abstimmen lassen.

Henning Szabanowski Tobias Lehnert
Henning Szabanowski Tobias Lehnert

"Macht was draus, dann wird dieser Tag ein guter Tag für euch", hatte am Morgen Henning Szabanowski, Vorsitzender des Vereins Juventus e. V., gewünscht. Juventus hatte in Zerbst im vorigen Jahr erstmals in Deutschland einen Jugendkreistag ins Leben gerufen. Inzwischen sind weitere Kreise gefolgt. Der 1994 gegründete Verein ist ein Zusammenschluss von namhaften Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik. Er will sinnvolle und kreative Freizeitgestaltung sowie Politik- und Demokratieverständnis fördern. In den zwölf Jahren seiner Existenz hat er rund 1,2 Millionen Euro Spenden ausschließlich aus der privaten Wirtschaft eingeworben und für Kinder- und Jugendprojekte eingesetzt. "Wir wollen, dass sich die Jugend um ihre eigenen Angelegenheiten ihre eigenen Gedanken macht", betonte Landrat Holger Hövelmann. Er freute sich über das rege, wenn auch an den einzelnen Schulen im Kreis recht unterschiedlich starke Interesse an dem Projekt. "Was wir Erwachsenen heute beschließen, damit müssen die jungen Leute von heute in zehn oder 20 Jahren leben. Es ist also wichtig, dass wir ihr Interesse wecken, damit sie sich einmischen." Die guten Ergebnisse des ersten Jugendkreistages hätten dazu beigetragen, dass der Kreistag Anhalt-Zerbst für eine Fortsetzung des Vorhabens gestimmt habe, hob Paul Lindau (CDU), Vorsitzender des Kreistages, hervor.
Tobias Lehnert teilte für Juventus mit, dass die Aktivitäten auch im Bundestag verfolgt würden. Er übermittelte ein Grußwort von Bundestagsvizepräsidentin Susanne Kastner (SPD). Im Landtag würde sich eine Arbeitsgruppe der SPD mit der Forderung des ersten Jugendkreistages befassen. Der hatte die Einführung eines Schulfaches Berufsberatung gefordert. Für die Arbeitsgruppen hatte Juventus mehrere Moderatoren gewinnen können. Zu ihnen gehörten Klaus Krawinkel, Geschäftsführer der Zerbster Firma KmB Technologie, Engelbert Wistuba, SPD-Bundestagsabgeordneter, die Landtagsabgeordneten Bernward Rothe (SPD) und Gerald Grünert (Linkspartei), Fabian Groh (Bündnisgrüne) als jüngstes Kreistagsmitglied oder Gerald Cramer, Geschäftsführer des Kreissportbundes.
(Andreas Mangiras)


AUFGEFALLEN


Sophie Tentrop: Politik schon ab der 4. Klasse


Engagiert und mit viel Herzblut vertrat Francisceerin Sophie Tentrop aus Lindau die in der Arbeitsgruppe III erarbeiteten Forderungen. Sie wollte, dass politische Bildung viel früher und wie ein roter Leitfaden durch alle Lehrpläne in den Unterricht aufgenommen würden. Ab der 4. Klasse schon, lautete die Forderung der Gruppe, die Sophie vor dem Auditorium vortrug und verteidigte. "Viel zu früh" widersprachen einige. Für Sophie ist klar, dass ein späterer Einstieg in Politikvermittlung nicht funktionieren würde. Um in den 4. Klassen beginnen zu können, müssten altersgerechte Methoden und Spielformen entwickelt werden. "So wie es jetzt ist, ist es einfach zu spät."
Ihr Einsatz führte dazu, dass der Antrag der Gruppe im Wortlaut mehrheitlich so angenommen wurde.
(Andreas Mangiras)


Lydia Patzelt: Zuschüsse für den Weg zur Schule


Je ausgedünnter das Schulnetz ist, umso weitere Wege und höhere Kostenbelastungen kommen auf die Schüler zu. Fahrkostenzuschüsse auch nach der 10. Klasse, bis zum Abitur und bis zum Ende der Berufsausbildung und nicht nur auf öffentliche Nahverkehrsmittel beschränken. Das war ein zentrales Anliegen von Lydia Patzelt vom Francisceum. Es hagelte Gegenargumente wie: Wer mit dem Auto zur Schule fährt, kann sich auch den Sprit leisten.
"Mit dem Auto oder Moped zur Schule fahren, kann günstiger sein. Mit dem Bus müsste ich täglich über 11 Euro bezahlen, mal abgesehen von der langen Fahrzeit", konterte sie unerschrocken und gewann. Der Jugendkreistag beschloss eine Kompromissformel, die Zuschüsse für alle Transportarten einschließt.
(Andreas Mangiras)


Tobias Böttcher: Rechte für Kinder von Armen


Gegen eine Benachteiligung von Kindern und Schülern ärmerer Eltern machte Tobias Böttcher aus Zerbst Front. In seiner Arbeitsgruppe I entstand die Überlegung, zur bestehenden Schulpflicht auch eine Kindergartenpflicht einzuführen. "Wenn Kindereinrichtungen einen Bildungsauftrag haben, werden Kinder von Arbeitslosen aus dem System ausgeschlossen und benachteiligt", argumentierte der aufgeweckte Sekundarschüler. Nach den derzeit geltenden Regeln besteht nur ein Halbtagsanspruch auf Betreuung. Für die Pflicht zum Kindergartenbesuch erntete Böttcher viel Gegenwind. Doch er ließ nicht locker. In der Debatte fand sich eine Lösung. Um den jetzigen Missstand zu beseitigen, sollte ein Anrecht auf den ganztägigen Kindergartenbesuch eingeführt werden.
(Andreas Mangiras)


Ein ganz besonderer Dank gilt Herrn Andreas Mangiras von der Volksstimmeredaktion Zerbst für die prompte und freundliche Unterstützung bei der Bereitstellung von Text- und Bilddokumenten zur Einbindung und Veröffentlichung auf unserer Schulwebsite.
Günter Ritzmann
Francisceum Zerbst. Alle Rechte an dieser Seite gehören dem Francisceum Zerbst © 2003.